Bungeespringen an Lianen

Nochmal was vom Spiegel: Bungeespringen auf Vanuatu

Auf Vanuatu wurde der Bungee-Sprung erfunden. Todesmutig stürzen sich die Insulaner von einem Holzgerüst fast 30 Meter in die Tiefe – lediglich gesichert mit zwei Lianentauen an den Knöcheln. Fotograf Holger Leue war dabei – und wurde Zeuge eines schrecklichen Unfalls.

Bei der Naghol-Zeremonie auf der Pazifikinsel Vanuatu springen Männer von einem Holzgerüst in die Tiefe. Sie haben dabei an jedem Knöchel ein Lianenseil, das den Sturz abbremst, aber nicht besonders elastisch ist – kein Vergleich zu den Bungee-Seilen, die wir kennen. Die eintägige Zeremonie findet jedes Jahr mehrfach im April und Mai statt, weil nur dann die Lianen ausreichend geschmeidig sind.

Zwei Dinge soll der Naghol-Sprung bewirken: Einerseits ist es ein Männlichkeitsritual für junge Erwachsene, zum anderen soll es die Götter gut stimmen, damit es eine ertragreiche Yam-Ernte gibt – das ist ein Wurzelgewächs ähnlich der Süßkartoffel. Wenn die Köpfe der Springer fast den Grund berühren, soll das gut für die Fruchtbarkeit des Bodens sein. Unten ist massiver Lehmboden, der nicht durch Laub oder ähnliches geschützt wird – das Naghol-Springen ist alles andere als ungefährlich. Mitte der Neunziger gab es einmal einen Todesfall, just als die englische Königin Elisabeth II. sich die Zeremonie anschaute.